Mann-O-Mann

24.08.10

 

Mann-O-Mann

Tja, da sitze ich in meiner Lieblingskneipe und mache mir Gedanken über meine männlichen Gegenspieler.

Jahrelang habe ich sie beobachtet, geprüft und es dann doch echt gewagt mir meine eigene Meinung über sie zu bilden.
Und eines ist mir dabei ganz klar geworden: Echte Qualitäten weißt keiner von Ihnen auf. Nein, ich bin keine Emanze!

Die Typisierung

Da haben wir zum einen das Chamäleon.
Er ist das Puzzelstück, dass normalerweise nie gepasst hätte. Sprich: Ohne Rücksicht auf seine Einzigartigkeit passt er sich seiner besseren Hälfte an. Und somit ist er genau der Typ den die Frau an seiner Seite sich in ihren kühnsten Träumen vorgestellt hat. Sein Weib ist immer und jederzeit das Non plus Ultra aus der Damenwelt – egal ob sie aussieht wie gerade aus einer Schlammschlacht kommend oder ob sie einer Mondlandschaft gleicht.

Und dann gibt es da ja auch noch den Pfau.
Dieser Typus ist bei weitem der schönste, reichste, klügste und erfolgreichste Mann auf Gottes Erdboden. Frau erkennt ihn an seiner Dauerkarte für die Sonnenbank, der Rolex-Imitation, dem Karotin futtern (in Form von fest oder flüssig, eventuell der Karotte selbst)oder dem Mercedes mit der leicht verdeckten Leihwagenreklame. Aber eines muss Frau ihm lassen: Er kommt einfach an! Mögen ihm nicht im ungünstigen Augenblick die Federn ausfallen.

Die Klapperschlange ist auch nicht zu verachten.
Ständig in Gefahr lebend von betrogenen Ehemännern oder dergleichen bedroht zu werden, sind seine Erkennungsmerkmale die Sonnenbrille, der Trenchcoat und die Zigarette im Mundwinkel. Da es diesen Typ leider nicht selten gibt, sollte man auf Massenansammlung achten – dort könnte die Luft doch reichlich übercoolt sein.

Kommen wir zu meiner bevorzugten Gattung – ich nenne ihn gerne den Teddy.
Alles an ihm schreit „Knuddel mich!“ und er ist in seiner einzigartigen Art einfach nur niedlich und tapsig. Tatsächlich entpuppt er sich meisten als steifer Saubär.

Nicht zu vergessen ist das Nashorn.
Wenn er auftaucht erbebt die Erde! Er erscheint als Urgewalt in Person. Beim näheren Betrachten erkennt Frau dann aber nur einen Sturm im Wasserglas oder einen nicht verknoteten Luftballon.

Gerade in Tanzcafés trifft Frau doch immer wieder auf das Känguru.
Er hüpft so hoch wie weit vor ihr rum. Sie sind Genies wenn es um Leidenschaft und Erregung geht. Habe sie aber ihr Ziel erreicht, sind sie auch ganz schnell verschwunden. Und genau das ist der Typ, dem viele Leidensgenossinnen jahrelang hinterher weinen.

Ganz zuletzt nehme ich den Armseligsten unter der Sonne: den Hornochsen.
Desinteresse oder Abneigung seiner Angebeteten nimmt er einfach nicht zur Kenntnis. All die Gemeinheiten und boshaften Anspielungen prallen an ihm ab. Die Frau fragt sich dann unweigerlich, ob er absolut verblödet ist oder einfach nur unsterblich verliebt. Und da ja bekanntlich keine dummen Männer existieren, gibt sie letztendlich dem Werben nach. Der Hafen der Ehe ist somit in Sichtweite gerückt. Ich glaube ja das da doch Dummheit im Spiel ist.



Grundlegende Maschen

Und da wir gerade so schön im Tierreichplaudern sind, wie gestaltet sich denn das Balzverhalten der männlichen Werber so? Es muss doch sehr schwierig sein, mit dem Playboyabo in der Hand als Intellektuell zu gelten. Oder nehmen wir den Typen mit der Zeltkonfektionsgröße, der von sich behauptet Leistungssportler zu sein.

Eine immer wieder beliebte Masche ist die mit dem Märchenprinzen.
Nein, Frau muss keine Frösche küssen, denn der Mann mit dieser Masche ist bereits fix und fertig vorzufinden. Natürlich ist gutes Aussehen von entscheidendem Vorteil, nur leider nicht immer naturgegeben. Nehmen wir zum Beispiel Boris Becker – heiß begehrt und viel gefragt. Bei ihm scheint die Ausstrahlung zu wirken oder aber die Genügsamkeit der Frauen oder vielleicht doch einfach der Kontoauszug.
Ist eigentlich auch egal, denn entscheidend für Strategie und Taktik sind die inneren Werte. Der Märchenprinz tritt als Softi auf. Seine Anmache ist gepflegt und schabt noch nicht mal an der Holzhammermethode. Er wird niemals Champagner mit Wasser verwechseln, denn er hat Kultur. Sie wissen nicht nur was die neuesten Modetrends sind – nein, sie wissen auch wo die angesagtesten Kneipen sind in denen wahrhafte Frauen auf ihren Traumtypen warten. Du triffst ihn nie besoffen an, denn Märchenprinzen meiden Alkoholexzesse.
Durch das Buch von Alice Schwarzer vorbereitet, weiß er wie übel Frauen mitgespielt wird und wie erniedrigt sie sich fühlen müssen. So vorbereitet, kann er beim achtstündigen Nippen am Getränk sehr sensible Gespräche mit der Umworbenen führen. Sie sind ja so sensibel!
Er wird nie oder nur sehr selten selber die Angebetete zu sich nach Hause einladen. Und sollte sie dann doch mal über die Schwelle seiner Wohnung treten, findet sich dort unter Garantie keine Socke auf dem Boden. Erotische Magazine sind ihm völlig fremd – liegen sie doch in der untersten Schublade des Schrankes. Die Wäsche ist gebügelt und das Geschirr ordentlich weggeräumt. Beim Kaffee oder Tee unterhält er sich dann mit ihr über Mode, Literatur, Kunst oder Theater. Mal ganz ehrlich, ihr Frauen dieser Welt: Wer von uns würde da nicht schwach werden?
Allerdings stehen diese Jungs unter einem enormen Zeitdruck: Wie lange kann er sich verstellen, bevor sein wahres Ich zu Tage tritt? Und hat er dann sein Ziel erreicht, wird aus der Prinzessin dann eben doch nur die Putzfrau.

Nicht ganz neu und nur selten genutzt: Die Guru-Methode.
Das teure Selbsterfahrungsseminar im Harz macht sich dabei echt bezahlt. Erlernt man doch dort das sanfte Annähern auf leisen Sohlen. Nehmen wir folgendes Beispiel: Bei einem solchen Seminar bestehen die Gruppen aus weiblichen und männlichen Teilnehmern. Der Leiter animiert eine Teilnehmerin durch Entspannung und sanfte Stimmlage zu einem Seelenstriptease vor versammelter Truppe. „Lass deinen Gefühlen freien Lauf . Ich fang dich auf und halte dich.“ Durch diese sogenannte „Übertragung“ wird die Frau zur flüssigen Butter in der Hand des Seminarleiters. Auch wenn der männlichen Teilnehmer nun nicht alles psychologisches Fachwissen besitzt, lernt er jedoch, dass der schnurgerade Weg zum Herzen einer Frau und zu Körper der Angebeteten über das Einfühlungsvermögen führt. Und wenn er genau dies richtig gut drauf hat, ist er schlichtweg der Hahn im Korb.

Der wahre Mann hat die Selbsterfahrungsgruppe schon lange hinter sich und lebt seine erlernte Offenheit zu 134% voll aus. Er ist so ehrlich und natürlich, dass ihm Berichte aus seinem Liebesleben so frei und ungestüm über die Lippen kommen, dass Frau ihn dafür eben nur als wahrhaft „echten“ Kerl bezeichnen kann.

Die Wattebausch-Weg ist da doch eher eine softe Gangart. Typen, die diesen Weg bevorzugen, schließen sich gerne Frauenbewegungen jeder Art an – denn echte Männer werden doch immer gesucht. Solche Männer neigen zu leichtem Masochismus. Als erster beobachten sie die Wollladenszene. In der Sockenabteilung lassen sie sich dann von fachkundiger Hand in die Geheimnisse des links gestrickten Rhombenmuster einführen. Und nun beobachten sie mal wie Frauen dahingleiten, wenn Mann diese neuen Kenntnisse souverän vorführen kann.
Eine weitere Variante ist das Tragen von Buttons weiblicher Stars wie Angela Merkel auf einem ökologisch abbaubarem Outfit. Beim Bumsen liegt er natürlich unten – alles andere würde ja nur an die überlieferte patriarchale Unterdrückung der Frau erinnern.
Er vertritt die Meinung, dass Frauen an Machtpositionen bessere Arbeit leisten als Männer und dass das Christkind natürlich weiblich lassen.
Und wenn der Kilt auch hier bei uns Mode wird, steht er voll zu diesem Trend inklusive einem selbst genähten Unterhöschen.

Der Sprengstoffexperte beherrscht wohl die knall härteste Methode Frauen zu knacken.
Menstruationsbegleiterscheinungen bilden hier die Grundlage, um der Partnerin beziehungslang ein extremes Schuldbewusstsein einzureden. Kann er sich dank dieser Methode endlich mal so richtig durchhängen lassen, finstere Depressionen zu tage treten lassen, ewig unausstehlich sein und am laufenden Band nörgeln.
Akzentuiertes Schweigen beherrscht er dabei aus dem FF. Die Spurrillen in der Wohnung weisen auf stundenlange Märsche á la einsamer Wolf hin, feuchte Augen lassen tief in seine verwundete Seele blicken und die herunterhängende Lippe bescheinigt, dass die Partnerin mal wieder das Falsche im falschen Moment gesagt hat. „Mäusebärchen, ist was?“ Solche Fragen werden mit einem tiefen Seufzer beantwortet. Die Gangart gleicht einem uralten Mann (hatte sie doch schon wieder so einen perversen Wunsch wie schmusen); stundenlanges-aus-dem-Fenster-schauen bescheinigt seine tiefe Einsamkeit und die empfundene Kälte durch die Frau. Das sie nie und nimmer Mama ersetzen kann, zeigt seine babyhafte zusammengerollte Haltung. Im Notfall hilft dann auch die vom Facharzt diagnostizierte Migräne, welche besonders in Stresssituationen auftritt.

Tja, genau mit diesem Weg sprengt Mann sogar jeden Schwarzenegger unter der weiblichen Beute.

Da habe ich nun jede Menge ausgewiefter Methoden erkannt und doch muss Frau erkennen, dass die simpelste Methode garantiert immer zum Ziel führt. In jeder Liebesschnulze wird dieser kitschige und schwülstige Schwachsinn vorgeführt: Schema F:
1.Unendlich tiefe Blicke
( er oder sie ist zwar vergeben, verlobt oder gar verheiratet – aber wen juckt das
in diesem Moment)
2.Er umgarnt sie mit unglaubliche Komplimenten
( „Du bist die Frau meiner Träume – live und in Stereo.“)
3.Sie wird zu Eis bei 45 Grad im Schatten.
4.Er stellt ihr einen formlosen mündlichen Antrag.
(„Lass mich den Nektar von deinen Lippen naschen.“)
5.Sie küssen sich.
6.Dann ziert sie sich zum Schein ein wenig.
(Immerhin müssen Filme ja mindestens 90 Minuten lang sein)
7.Einlauf in die Zielgerade, entweder gleich um die Ecke oder wo man eben gerade ist
(Ist der Film noch nicht lange genug, dürfen sie es auch gleich mehrmals tun)
8.Variationen aller Art folgen:
der Verlobte/die Verlobte taucht plötzlich auf
er leidet unter Achselschweiß – Trennung!
9.Hormon gesteuertes Happy-End

Bitte vergessen wir nicht die Abweichler – allerdings gehen diese einen sehr steinigen und unsicheren Weg.